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Faktenchecks in den nächsten Monaten: Worauf Sie jetzt achten sollten

Im Herbst häufen sich Abstimmungskampagnen und Jahresend-Gerüchte. Dieser Beitrag zeigt, welche Behauptungen jetzt Prüfung verdienen und wie ein sauberer Faktencheck bei uns Schritt für Schritt

Sabine Keller

5 Minuten Lesezeit

Faktenchecks in den nächsten Monaten: Worauf Sie jetzt achten sollten

Warum die kommenden Wochen besonders anfällig sind

Der Herbst ist für eine Redaktion wie unsere keine ruhige Zeit. Abstimmungsunterlagen werden verschickt, Parteien und Komitees schalten Inserate, und in den sozialen Netzwerken wächst die Zahl der Beiträge, die mit wenigen Worten ein ganzes Thema erledigen wollen. Gleichzeitig sind die Menschen nach dem Sommer wieder aufmerksamer für Nachrichten, sie teilen mehr und lesen weniger genau. Das ist keine Kritik, sondern eine Beobachtung aus dem Redaktionsalltag.

Hinzu kommt der Rhythmus des Jahres: Mit den kürzeren Tagen und dem nahenden Jahresende tauchen Behauptungen zu Preisen, Prämien, Steuern und Energiekosten auf. Solche Aussagen klingen konkret, lassen sich aber oft nur mit Mühe an einer Quelle festmachen. Wer sie weiterleitet, ohne nachzusehen, trägt ungewollt zu ihrer Verbreitung bei.

Dieser Beitrag richtet sich deshalb an alle, die in den nächsten Monaten gelegentlich selbst nachprüfen möchten, ob eine Behauptung trägt. Er beschreibt, was wir bei einem Faktencheck tun, und welche Teile davon Sie ohne grossen Aufwand selbst übernehmen können.

Welche Behauptungen jetzt Prüfung verdienen

Nicht jede Aussage braucht einen Faktencheck. Wir wählen sie nach drei Fragen aus: Ist die Behauptung überprüfbar, hat sie eine grössere Reichweite, und kann eine Fehlinformation für die Leserschaft Folgen haben? Eine Meinung lässt sich nicht widerlegen, eine Zahl, ein Zitat oder ein Zeitpunkt dagegen schon. Genau dort setzen wir an.

In den kommenden Monaten rechnen wir vor allem mit Aussagen zu Abstimmungsvorlagen, zu Kosten des Alltags und zu angeblichen Zitaten von Behörden oder Politikerinnen. Dazu kommen Kettennachrichten, die sich als Warnung tarnen. Sie haben meist ein gemeinsames Muster: grosse Dringlichkeit, keine Quelle, kein Datum.

Wenn Sie eine solche Aussage erhalten, lohnt sich ein kurzer Halt, bevor Sie sie weitergeben. Fragen Sie sich, wer sie ursprünglich gemacht hat, wann das war und ob dafür ein Dokument existiert, das Sie selbst öffnen können.

  • Zahlen ohne Quelle oder ohne Jahresangabe
  • Zitate ohne Ort, Datum und Anlass
  • Warnungen mit grosser Dringlichkeit, aber ohne Absender

Wie ein Faktencheck bei uns aufgebaut ist

Jeder Faktencheck beginnt mit der Originalaussage, und zwar im Wortlaut. Wir halten fest, wo und wann sie erstmals erschienen ist und wer sie geäussert hat. Erst danach beginnt die eigentliche Arbeit. Oft stellt sich schon hier heraus, dass eine Aussage verkürzt oder aus dem Zusammenhang gerissen wurde.

Anschliessend sammeln wir Belege: Primärquellen wie Gesetzestexte, Statistiken und Protokolle haben Vorrang vor Berichten über sie. Wo es sinnvoll ist, holen wir Einschätzungen von Fachpersonen ein und geben der betroffenen Person oder Organisation Gelegenheit zur Stellungnahme. Deren Antwort erscheint im Beitrag, auch wenn sie unser Urteil nicht ändert.

Am Ende steht ein klares Urteil. Es lautet nicht einfach richtig oder falsch, sondern es hält fest, was belegt ist, was nicht und wo die Quellenlage offen bleibt. Die Unterscheidung zwischen irreführend und unbelegt ist uns wichtig, weil sie unterschiedliche Dinge bedeutet.

Was Sie selbst in fünf Minuten prüfen können

Nicht jede Prüfung braucht eine Redaktion. Mit etwas Routine lässt sich ein erster Eindruck rasch gewinnen. Suchen Sie zuerst nach dem Wortlaut der Aussage in Anführungszeichen, so finden Sie häufig die Ursprungsquelle oder frühere Versionen. Achten Sie dabei auf das Datum: Viele Behauptungen sind alt und tauchen in neuem Zusammenhang wieder auf.

Prüfen Sie dann, ob die genannte Quelle tatsächlich sagt, was behauptet wird. Öffnen Sie das Dokument, statt sich auf die Zusammenfassung zu verlassen. Bei Statistiken lohnt ein Blick darauf, was gemessen wurde, in welchem Zeitraum und für welche Gruppe.

Wenn Sie nach diesen Schritten unsicher bleiben, ist das ein brauchbares Ergebnis. Dann gilt: nicht weiterleiten, nicht kommentieren, Aussage vorerst als unbestätigt behandeln. Ein Zweifel ist besser als eine vorschnelle Gewissheit.

  • Wortlaut in Anführungszeichen suchen
  • Datum und Ursprung der Aussage klären
  • Die genannte Quelle selbst öffnen und lesen

Was im Herbst oft schiefgeht

Ein häufiger Fehler ist die Verwechslung von Nähe und Beleg. Wenn dieselbe Behauptung in drei Kanälen auftaucht, wirkt sie bestätigt, dabei stammen alle drei vielleicht aus einer einzigen, unklaren Quelle. Wir verfolgen deshalb immer zurück, bis wir das erste Auftauchen finden.

Ein zweiter Fehler betrifft Bilder. Fotos von früheren Ereignissen werden mit neuem Text versehen und als aktuell ausgegeben. Eine Rückwärtssuche nach dem Bild und ein Blick auf Schatten, Beschilderung oder Wetter helfen oft weiter, ersetzen aber keine forensische Prüfung.

Drittens unterschätzen viele den Einfluss der eigenen Haltung. Aussagen, die zur eigenen Meinung passen, werden milder geprüft. Wir versuchen, dagegen mit einer festen Reihenfolge zu arbeiten: erst Quelle, dann Beleg, dann Urteil, unabhängig davon, wem die Behauptung nützt.

Ein Fahrplan für die nächsten Monate

Wir empfehlen, sich für die Wintermonate eine einfache Routine zu geben. Nehmen Sie sich vor, Behauptungen, die Sie emotional berühren, mit besonderer Sorgfalt zu behandeln, denn gerade sie werden gezielt für Verbreitung gebaut. Legen Sie sich eine kurze Liste verlässlicher Primärquellen an, etwa amtliche Statistiken und Abstimmungsunterlagen, auf die Sie bei Zweifeln zurückgreifen.

Verfolgen Sie unsere Faktenchecks als Nachschlagewerk: Jeder Beitrag zeigt, wie die Prüfung abgelaufen ist, und lässt sich als Muster für die eigene Arbeit lesen. Wenn Sie eine Behauptung entdecken, die Ihnen auffällt, können Sie uns diese über das Kontaktformular melden.

Wir prüfen nicht alles, aber wir sagen offen, was wir geprüft haben und was nicht. Das gilt auch für die kommenden Monate, in denen die Zahl der Kampagnen und Gerüchte erfahrungsgemäss weiter steigt.

Die nächsten Monate werden voraussichtlich viele Behauptungen bringen, die schnell klingen und langsam zu prüfen sind. Es hilft, die Reihenfolge einzuhalten: Aussage im Wortlaut, Ursprung, Beleg, Stellungnahme, Urteil. Wo Sie selbst nicht weiterkommen, bleibt es ein legitimes Ergebnis, eine Aussage als unbestätigt stehen zu lassen. Wir führen die Prüfung gerne transparent vor und freuen uns über Hinweise auf Behauptungen, die eine genauere Untersuchung verdienen.

Hinweis an die Redaktion

Eine Behauptung verdient einen genaueren Blick?

Rufen Sie uns an und schildern Sie kurz, worum es geht. Wir sagen Ihnen, ob sich eine Prüfung lohnt und welche Unterlagen uns weiterhelfen.

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