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Faktenchecks

Was ein Faktencheck kostet und wovon der Preis abhängt

Ein gründlicher Faktencheck braucht Zeit, Gespräche und Belege. Die Chefredaktorin erklärt, welche Arbeitsschritte den Aufwand bestimmen und warum zwei scheinbar ähnliche Behauptungen sehr verschieden

Sabine Keller

4 Minuten Lesezeit

Was ein Faktencheck kostet und wovon der Preis abhängt

Warum die Frage nach dem Preis berechtigt ist

Wer einen Faktencheck liest, sieht am Ende ein Urteil: wahr, irreführend, unbelegt oder falsch. Was davor liegt, bleibt meist unsichtbar. Dabei entscheidet gerade diese unsichtbare Arbeit darüber, ob das Urteil trägt. Als Chefredaktorin werde ich gelegentlich gefragt, was eine solche Prüfung eigentlich kostet, und die ehrliche Antwort lautet: Es hängt davon ab, wie weit die Behauptung zurückreicht und wie viele Stellen etwas dazu sagen können.

Ich schreibe diesen Text, weil wir unsere Arbeit offenlegen wollen, nicht nur ihr Ergebnis. Wer weiss, woraus sich der Aufwand zusammensetzt, kann besser einschätzen, weshalb ein Check manchmal einen halben Tag und manchmal mehr als eine Woche beansprucht. Und er versteht, weshalb wir die Preise unserer bezahlten Leistungen auf der Preisseite nennen, statt sie zu umschreiben.

Die Originalaussage sichern

Am Anfang steht ein unscheinbarer, aber aufwendiger Schritt: Wir müssen die Behauptung im Wortlaut und in ihrem ursprünglichen Zusammenhang haben. Viele Aussagen kursieren als Ausschnitt, als Screenshot oder als Weitererzählung. Bis wir die Erstquelle gefunden haben, kann es genügen, ein Protokoll oder eine Aufzeichnung zu lesen. Es kann aber auch heissen, mehrere Kanäle rückwärts zu verfolgen und Fassungen miteinander zu vergleichen.

Dieser Schritt ist oft der günstigste, wenn die Quelle öffentlich und datiert ist, und der teuerste, wenn sie gelöscht, umgeschnitten oder nur noch als Kopie greifbar ist. Wir halten fest, was wir gesehen haben, wann und wo, damit andere unsere Spur nachvollziehen können. Ohne gesicherte Originalaussage prüfen wir im schlechtesten Fall etwas, das so nie gesagt wurde.

  • Wortlaut und Kontext der Aussage sichern
  • Erstquelle von Kopien und Ausschnitten trennen
  • Fundort und Zeitpunkt der Prüfung festhalten

Belege suchen und gewichten

Der grösste Posten ist in der Regel die Beleglage. Eine Zahl aus einer amtlichen Statistik lässt sich oft in einer Stunde einordnen. Eine Behauptung über einen Sachverhalt, zu dem es nur Einzelfälle, widersprüchliche Studien oder alte Berichte gibt, verlangt dagegen mehrere Tage Lesearbeit. Wir prüfen nicht nur, ob ein Beleg existiert, sondern wer ihn erhoben hat, wie und mit welchem Interesse.

Dazu gehört auch, Belege gegeneinander zu wägen. Zwei seriöse Quellen können zu verschiedenen Schlüssen kommen, weil sie unterschiedlich zählen oder andere Zeiträume wählen. Diese Unterschiede zu erklären, statt sie zu glätten, kostet Zeit, macht aber den Wert eines Urteils aus. Ein knappes Urteil ohne diese Sorgfalt wäre billiger, aber weniger verlässlich.

Stellungnahmen und Fachleute einholen

Fairness heisst, dass die betroffene Person oder Organisation die Möglichkeit erhält, sich zu äussern, bevor wir ein Urteil veröffentlichen. Wir formulieren dazu eine klare Anfrage, setzen eine angemessene Frist und warten die Antwort ab. Manche Stellen antworten am selben Tag, andere erst nach mehreren Erinnerungen, und wieder andere gar nicht. Auch dann dokumentieren wir den Versuch.

Hinzu kommen Gespräche mit Fachleuten, die eine Zahl oder ein Verfahren einordnen können. Diese Gespräche sind zeitaufwendig, weil wir uns vorbereiten und das Gesagte anschliessend gegenprüfen. Der Preis eines Checks steigt deshalb mit der Zahl der Stellen, die gehört werden müssen, und mit der Fachtiefe, die das Thema verlangt.

  • Anfrage mit Frist an die betroffene Stelle
  • Einordnung durch unabhängige Fachpersonen
  • Dokumentation auch bei ausbleibender Antwort

Das Urteil und die Gegenlektüre

Am Schluss steht das Urteil. Es wird nicht vom Verfasser allein gefällt, sondern in der Redaktion besprochen und von mir verantwortet. Wir prüfen, ob die Belege die gewählte Einstufung tragen und ob der Text die Unsicherheit dort benennt, wo sie besteht. Wenn der Befund zwischen zwei Einstufungen liegt, wählen wir die vorsichtigere und begründen sie.

Diese Gegenlektüre kostet einen festen Anteil an Zeit, der sich kaum wegsparen lässt, ohne die Qualität zu verlieren. Sie ist auch der Grund, weshalb wir lieber weniger Checks veröffentlichen als viele flüchtige. Wer einen Check bei uns in Auftrag gibt, bezahlt im Kern diesen Schritt: dass jemand Zweites das Ergebnis kritisch liest.

Was den Preis am Ende bestimmt

Zusammengefasst treiben vier Dinge den Aufwand: wie schwer die Erstquelle zu finden ist, wie dünn oder widersprüchlich die Belege sind, wie viele Stellen Stellung nehmen müssen und wie viel Fachwissen die Einordnung verlangt. Eine kurze Behauptung mit klarer Quelle liegt am unteren Ende, eine verzweigte Kampagne mit mehreren Beteiligten am oberen.

Konkrete Preise, den Umfang der jeweiligen Leistung und den Ablauf von Anfrage, schriftlicher Bestätigung und Rechnung finden Sie auf der Preisseite. Wir nennen dort, was enthalten ist und für wen sich eine Prüfung eignet, und versprechen kein bestimmtes Ergebnis. Das Urteil bleibt in jedem Fall das, was die Belege hergeben.

  • Auffindbarkeit der Erstquelle
  • Dichte und Widersprüchlichkeit der Belege
  • Zahl der anzufragenden Stellen
  • Nötige Fachtiefe der Einordnung

Ein Faktencheck kostet Zeit, weil Sorgfalt Zeit kostet: die Quelle sichern, Belege wägen, Betroffene anhören und das Urteil gegenlesen. Wovon der Preis abhängt, lässt sich benennen, und genau das legen wir offen. Wenn Sie eine Behauptung prüfen lassen möchten, schildern Sie uns den Fall kurz, dann sagen wir Ihnen, womit wir rechnen.

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Rufen Sie uns an und schildern Sie die Behauptung in wenigen Sätzen. Wir sagen Ihnen, was die Prüfung umfassen würde, und bestätigen den Rahmen anschliessend schriftlich.

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